| Mitgliederbefragung
des DAGG 2008
Auswertung der Mitgliederbefragung
DAGG 2008
Inzwischen wurde die Mitgliederbefragung des DAGG ausgewertet.
Von 1006 Mitgliedern haben 333 an der postalisch durchgeführten
Befragung teilgenommen.
Abb. 1: Sektionszugehörigkeit der Befragungsteilnehmer
Die wichtigsten Ergebnisse auch im Hinblick auf die Zukunft des
DAGG sind:
Arbeitsfelder der Mitglieder
Die beruflichen Felder der Mitglieder sind breit gestreut und quer
über alle Sektionen vertreten. Die klassische Aufteilung in
klinische und nicht-klinische Sektionen ist auf diesem Hintergrund
nicht mehr aufrechtzuerhalten.
Von den Antwortenden geben deutlich mehr als die Hälfte an,
dass sie Gruppentherapie durchführen. Mehr als 75% arbeiten
supervisorisch, 60 % sind in der Weiterbildung tätig (Mehrfachnennungen).
Die Nennungen erfolgen über alle Sektionen hinweg. Therapie,
Supervision, Beratung und Bildung sind damit als wichtige sektionsübergreifende
Arbeitsfelder zu betrachten.

Abb. 2: Genannte Arbeitsfelder der Mitglieder (Mehrfachnennung möglich)
Intersektionelle Vernetzung
Es gibt ein hohes Interesse an der Vielfalt der methodischen Ansätze
im DAGG und dem Austausch der Verfahren. Der Wunsch nach Vernetzung
wird vor allem durch die Sektionen Analytische Gruppentherapie,
Gruppendynamik und Klinik und Praxis ausgedrückt. Vor allem
AG- und KuP-Mitglieder geben an, die Tagungen anderer Sektionen
besucht zu haben.

Abb. 3: Sektionen, mit denen Vernetzung gewünscht wird (Absolute
Zahl der Nennungen,
Mehrfachnennung möglich)
Hier scheint sich das Idealbild des DAGG zu spiegeln, denn dies
steht im Gegensatz zu der Tatsache, dass die Tagungen anderer Sektionen
insgesamt nur wenig besucht werden. Die Gründe für die
Entscheidung, nicht an Tagungen anderer Sektionen teilzunehmen sind:
Terminüberschneidungen, zu viele Tagungen, Nicht-Angesprochen-Fühlen.
Insgesamt wird das intersektionelle Klima im DAGG als deutlich angespannt
und konkurrierend eingeschätzt: die Antwortenden erleben dies
zu 2/3.
Dagegen wird das intrasektionelle Klima zu ca. 80% als positiv erlebt.
Dieser Unterschied ist gravierend und wird - auch auf der intersektionellen
Tagung im Mai - genauer zu untersuchen sein. Auch der Widerspruch
zwischen Vernetzungswünschen und dem realen Vernetzungsverhalten
ist auffällig. Wenn Zeitmangel die entscheidende Komponente
ist, wären durch intersektionelle Arbeitsstrukturen zu bestimmten
Inhalten wie "Gruppe im Gesundheitswesen", "Gruppenkontexte
in der Beratung", "Gruppe in Sozialisation und Bildung"
oder "Gruppe und ihre theoretischen Grundlegungen" die
Kräfte zu bündeln und zugleich der methodische Austausch
zu leisten.
Anregung durch DAGG-Gesamtverband
Ca. 55 % der Antwortenden bestätigen, dass sie Anregungen durch
den DAGG erhalten. 60-80 % der Mitglieder von der Sektionen Analytische
Gruppenpsychotherapie und Klinik und Praxis sind zufrieden; Psychodrama
und Gruppendynamik sind mit 60 % eher unzufrieden.

Abb. 4: "Hat Ihre Arbeit durch den DAGG-Gesamtverband Anregungen
erfahren?"
Die Beteiligung am DAGG wird vor allem durch den Besuch der Kongresse
und dem Lesen der Zeitschrift gezeigt. 30 % der Antwortenden geben
allerdings an, nur in der eigenen Sektion aktiv zu sein.

Abb. 5: Art der Beteiligung am DAGG (Mehrfachnennungen möglich)

Abb. 6: "Was ist mir am DAGG wichtig?"
DAGG in der Öffentlichkeit:
von 90 % wird angenommen, dass der DAGG vor allem in der Fachöffentlichkeit
bekannt ist, immerhin 60 % nehmen an, dass der DAGG eine aktive
bzw. gute Öffentlichkeitsarbeit betreibt.
Die Vertretung des DAGG in die Öffentlichkeit hinein ist in
den letzten Jahren durch die Pressearbeit und neugestaltete Internetpräsenz
betrieben worden. Auch die Vertretung Dachorganisationen wie der
Deutschen Gesellschaft für Beratung und dem Verbändeforum
Supervision hat dazu beigetragen, dass gruppale Themen präsenter
sind. Es bleibt dies allerdings eine nachhaltig zu betreibende Aufgabe.
Theoretische und methodische Schwerpunkte:
Wie zu erwarten, sind die wichtigsten theoretischen Ausrichtungen
Gruppenanalyse/Tiefenpsychologie, Psychodrama und Gruppendynamik.
Andere Orientierungen verteilen sich breit und sind marginal.
Die Schwerpunkte der methodischen Orientierung entsprechen der theoretischen
Orientierung.
Erfordernisse für die Zukunft
Als Erfordernisse werden benannt: Die Notwendigkeit der Balance
von Eigenständigkeit und Integration der Verfahren, die Bedeutung
der Öffentlichkeitsarbeit und einer starken Vertretung nach
außen und die Sicherung der Qualität der Ausbildung und
Berufsausübung.
Wünsche, Ideen, Verbesserungsvorschläge
zum DAGG und seiner Zukunft
Von 104 Teilnehmern (31,2%) lagen teilweise ausführliche
Kommentare zu dieser abschließenden, offen gestellten Frage
vor. Diese wurden in 127 einzelne qualitative Statements aufgeteilt.Die
Prozentangaben beziehen sich auf diese 127 Statements. Die Auswertung
erfolgte unter Bezug auf Methoden aus dem Bereich der qualitativen
Sozialforschung.
Gesamt-
|
DAGG
erhalten? |
Mehr / optimierte Öffentlichkeits-
arbeit |
Strukturelle Revisionen |
Gemeinsame Aktivitäten (Kongresse, Tagungen, Arbeitskreise)
fest verankern |
Qualitätssicherung / Ausbildung stärken |
Sonstige |
| 127 Statements |
53 (41,7%) Statements zu dieser Frage |
23 (18,1%) Statements zu dieser Frage |
15 (11,8%) Statements zu dieser Frage |
10 (7,9%) Statements zu dieser Frage |
5 (3,9%) Statements zu dieser Frage
|
21 (16,5%) Statements zu dieser Frage |
Tabelle 1: Angaben der Mitglieder zur Zukunft des
DAGG
Spontan am häufigsten getroffen (41,7%, Tabelle 1) wurde eine
Äußerung zum Erhalt des DAGG. Eine klare Mehrheit (94,3%)
war dafür, dass der DAGG als Gesamtverband erhalten werden
soll.
Ein nennenswerter Teil der Mitglieder sprach sich für eine
verbesserte Außendarstellung des DAGG dar (mehr/optimierte
Öffentlichkeitsarbeit). Hier wurde auch der Wunsch nach einer
Fokussierung auf die berufspolitische Interessensvertretung genannt.
11,8 % der Nennungen betreffen mehr oder weniger präzise Vorschläge
zu strukturellen Revisionen. Am häufigsten wurde mehr Autonomie
für die Sektionen als erstrebenswert bezeichnet, auch in finanzieller
Hinsicht. Weitere Argumente waren, den DAGG als Service-Dienstleister
(Verwaltung; Kongress) auszurichten,
einen Kongress pro Jahr zu organisieren und die Sektionstagung(en)
zu integrieren und die Vernetzung mit Ausbildungsinstituten zu fördern.
7,9% der Aussagen drückten den Wunsch nach fest verankerten
gemeinsamen Aktivitäten vor, ein weiterer homogen angesprochener
Punkt betonte die Wichtigkeit des DAGG für Qualitätssicherung
(Schaffung und Kontrolle von Standards) und Ausbildung in Gruppenverfahren.
Nicht in Kategorien zuordnen ließen sich weitere 21 Argumente.
Konkrete Vorschläge bezogen sich auf folgende Sachverhalte:
- die Betonung fachlicher Aspekte von Gruppenarbeit
- Pflichtabo der Zeitschrift abschaffen; Erhalt der Fachzeitschrift
"Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik" als Fachzeitschrift
der Sektion AG; wieder gemeinsame Zeitschrift der DAGG mit von
den Sektionen verantworteten Sonderheften (vll. 6 Ausgaben pro
Jahr)
- Reduktion der Mitgliedsbeiträge
- Gesamttagung des DAGG alle 2-3 Jahre
- Unterstützung hinsichtich der Praxis niedergelassener
Psychotherapeuten / Gruppenpsychotherapeuten (Hilfe bei Gutachtberichten
etc)
- mehr Großgruppen-Selbsterfahrung
- Kooperation mit ärztlichen und psychologischen Fachgesellschaften
(z.B. DGPM/DKPM);
- mehr Zusammenarbeit mit Berufsverbänden (z.B. BAG) und
der Deutschen Balintgesellschaft
- Zusammenarbeit mit den Kassenpsychotherapeuten Gruppe-Verband
- Wunsch nach Stärkung einzelner Themenschwerpunkte
Weitere Freitextangaben
Die weitaus häufigsten Nennungen wurden bei den Fragen "Hat
Ihre Arbeit durch die Sektion Anregung erfahren?" (128 Antworten)
bzw. "Hat Ihre Arbeit durch den DAGG-Gesamtverband Anregung
erfahren?" (119 Antworten).
Anregung seitens der Sektion erfuhren die Mitglieder häufig
anhand fachspezifischer Themen oder Methoden. Hier wurde häufig
die Möglichkeit geschätzt, sich mit Kollegen austauschen
zu können und ergänzende Methoden im eigenen Feld zu vertiefen.
Primär standen anwendungs- und methodenorientierter Austausch
im Vordergrund.
Als Gelegenheiten für diese Prozesse wurden die Kongresse,
Tagungen und Arbeitskreise angeführt. Häufig angesprochen
wurde, dass dies einen kontinuierlichen Fort- und Weiterbildungsprozess
in Gange hält. Nicht selten vermochten die Sektionen auch,
den Mitgliedern berufspolitische Perspektiven zu vermitteln.
Bezüglich der Anregungen durch den Gesamtverband steht ebenfalls
der Austausch mit Kollegen im Vordergrund, hier jedoch eben im intersektionellen
Kontakt.
Die damit verbundenen methodischen Bereicherungen führen häufig
über die im eigenen Gebiet erlebten Erfahrungen hinaus. Einige
Mitglieder betonen die Rolle des Verbands, eine Perspektive herzustellen
und den Blick "über den Tellerrand" zu ermöglichen.
Anlässe für diese Begegnungen sind wiederum häufig
gemeinsame Tagungen und Kongresse, aber auch Angebote zur Weiterbildung.
Das Gesamtbild legt nahe, dass die Mitglieder sowohl in der Sektion,
aber auch im Gesamtverband eine Vertiefung der eigenen Methodenkompetenz
erfahren, ergänzt durch die Gelegenheit, neue Inhalte und Methoden
kennen zu lernen. Dies vermag zu einer Stärkung der eigenen
Identität im Beruf beizutragen.
Die Mitwirkung in Arbeitskreisen und Projektgruppen (33 Antworten)
bezog sich auf die Arbeitsgemeinschaften der eigenen Sektion; Vorbereitung
von Tagungen und Konferenzen, Erarbeitung eines Ausbildungscurriculums,
oder der Vorbereitung der Zukunftskonferenz.
Vernetzungen mit anderen Sektionen
Ein durchgehender Tenor bei diesen Fragen war, Ähnlichkeiten
und Unterschiede zwischen Methoden oder Konzepten zum Gegenstand
dieser Vernetzung zu machen.
Generell wurde auch der Wunsch geäußert, zum Zwecke der
Supervision und/oder Fort- und/oder Weiterbildung zu kooperieren.
Schließlich wurde stets der Wunsch thematisiert, mehr über
die praktischen Erfahrungen mit benachbarten Methoden/Disziplinen
zu lernen und dabei auf die prinzipielle Möglichkeit zur Kombination
von Elementen, Konzepten und / oder Techniken zu achten.
Am häufigsten (55 Antworten) wurde in dieser Hinsicht eine
Vernetzung mit der Sektion Analytische Gruppentherapie gewünscht,
und zwar zu folgenden Themen:
- Vermittlung allgemeiner und aktueller theoretischer Grundlagen,
historisch und in Bezug auf aktuelle Trends
- Anwendung in klin. Praxis/ambulante Gruppentherapie, zB bezüglich
Gruppenregeln oder unterschiedlichen Zielgruppen (Kinder und Jugendliche,
spezifische Störungen).
- analytische Selbsterfahrung in Gruppen mit jungen Erwachsenen
und Balint-Arbeit
- Beratung, Coaching und Organisation auf psychoanalytischer
Basis
- Einzelne Vernetzungswünsche betrafen spezifische Themen:
Großgruppe; Massenphänomene, Arbeit mit Senioren, Behandlung
von Traumen, Haltung und Reflexion der Leitungsrolle, Mentalisierung,
Supervision
- Kombinierbarkeit der Ansätze in der Arbeit mit Gruppen
mit GD, zB für Modelle v. Team- u. Organisationsentwicklung
Vernetzungs-Perspektiven mit Gruppendynamik (45 Nennungen) thematisierten
die folgenden Bereiche:
- Arbeit mit spezifischen Zielgruppen (Bildungs- und Sozialbereich,
"aussichtslose" Patienten)
- Geschätzt wird die Expertise der Gruppendynamik in den
Bereichen Coaching; Supervision; Training, Teamberatung, Gruppenforschung
und Gruppenprozesse oder Organisationsentwicklung, - Beratung
und -Dynamik bis hin zu politischen Implikationen gruppendynamischer
Prinzipien.
- Interesse bestand an der Kombinierbarkeit der Ansätze
mit den Verfahren anderer Sektionen
- Schließlich interessierten auch hier die theoretischen
Grundlagen und deren Weiterentwicklungen in Theorie und Praxis.
Ähnlich häufig (43 Nennungen) wurden Vernetzungen mit
der Sektion Klinik und Praxis thematisiert:
- aktuelle klinische Anwendungsbereiche der Gruppenpsychotherapie
(ambulant, klinisch)
- Arbeit mit speziellen Zielgruppen (Kinder, Jugendliche, ältere
Patienten, Migranten, strukturell gestörten Patienten, Trauma)
- Förderung von Gruppen-Fortbildung für spezifische
Zielgruppen (Lehrer, für Assistenzärzten und Psychologen
in Gruppentherapie)
- Spezifische Settings: Großgruppen; Indikationsgruppen,
Gruppenkurzzeittherapien; mentalisierungsbasierte Therapie
- Organisationsentwicklung und -beratung im klinischen Kontext
- Forschungsperspektiven wie Effizienz Verkürzungen der
Aufenthaltsdauer in Kliniken (Bedeutung für die Gruppe, wie
aktiv soll der Th. sein?)
Die Sektion Psychodrama wurden mit folgenden Bereichen in Verbindung
gebracht:
- Wunsch nach besserer Kenntnis der spezifischen Methoden und
deren Anwendbarkeit in Fortbildung
- Kenntnis von Beratungskontexten; Verfahren; Beratung und Coaching
von Einzelnen und Gruppen oder Großgruppen
- Auf Interesse stießen spezifische Elemente des Methodenrepertoires,
wie zB Integration von Rollenspiel, Theaterarbeit, Soziometrie
oder der Herangehensweise und Perspektive
Eine Vernetzung mit Sozialtherapie wurde in den Bereichen "feldspezifische
Gruppen aus diesem Bereich" (Elterntraining; Soziale Trainings)
ebenso wie in der Fortbildung für Sozialtherapeuten selbst
aufgeführt. Es besteht ein generelles Interesse an inhaltlichen
und methodischen Entwicklungen in den sozialtherapeutischen Feldern.
Die Intendierte Dynamische Gruppentherapie wurde neben den ganz
generell angesprochenen allgemeinen Berührungspunkten (s.o.)
unter anderem bezüglich folgender spezifischer Bereiche / Elemente
angesprochen:
- Blockweise Arbeit, Co-Therapeutenarbeit
- Integration verbaler und nonverbaler Kommunikation in der Gruppe
Wenn Tagungen einer anderen Sektion nicht besucht wurden, gab es
neben den vorgegebenen Gründen (Terminüberschneidungen,
zu viele Tagungen, kein Interesse, nicht angesprochen fühlen,
keine Info) folgende Gründe:
- Andere berufliche Schwerpunkte, Arbeitsüberlastung; Zeitmangel,
hohe Kosten,
Umstände der persönlichen Situation, Ruhestand.
- Fehlende Informationen für "frische" Mitglieder;
Nichtmitglieder kommen nicht leicht an die Informationen über
die geplanten Kongresse
Angesichts dieser ausführlichen und konkreten Rückmeldung
gab es - vielleicht verständlicherweise - wenig weitere Angaben
zu den Themen "intersektionelles Verhältnis im DAGG",
"Kooperationsklima innerhalb der Sektion" und "sonstiges
- wichtig am DAGG".
(Auswertung der Freitextangaben unter Mitwirkung
von metakontor
- angewandte Sozialwissenschaften)
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