Webmaster

Kontakt
Impressum
Webmaster

 
   


Stellungnahme des DAGG

 

Dr. med. Kurt Höhfeld 13507 Berlin
Nervenarzt Schulstr. 10
Arzt für Psychosomat. Medizin und Psychotherapie Tel. Fax 030-43409009
Psychoanalyse E-Mail: KurtHoehfeld@online.de

Berlin, den 26. 1. 2009

Betr:
beim Panel am 28. 1. 2009 im Rahmen des Forschungsgutachtens zur FRAGE 6: Schwerpunktausbildung
- orientiert an Psychotherapieschulen,
- orientiert an psychischen Störungen,
- andere Konzeptionen.
Schriftlich vorab eingereichter Text der Stellungnahme des DAGG
______________________________________________________________________
Text:
Das vom BMG in Auftrag gegebene Forschungsgutachten soll klären, ob Veränderungen entstanden sind, die eine Novellierung des Psychotherapeutengesetzes notwendig machen könnten.

Aus unserer Sicht betreffen diese

1. die durch die neu geschaffenen Studiengänge von Bachelor und Master veränderten Zulassungsvoraussetzungen für die beiden Berufe des Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sowie

2. die damit verbundene Frage, ob und ggf. wieweit Inhalte der jetzigen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung bereits in das Studium integriert werden könnten und zu welchen Wirkungen dies führen könnte.

3. Eine weitere Frage berührt die Bindung der Ausbildung an bestimmte Verfahren im Gegensatz zur Vorstellung, die Ausbildung an bestimmte Störungsbilder zu binden.

Die Forschungsgruppe hat für das vom BMG in Auftrag gegebene Forschungsgutachten um Stellungnahmen zu sieben Fragen gebeten, als Vertreter des DAGG nehme ich hier Stellung zu


FRAGE 6: Schwerpunktausbildung
- orientiert an Psychotherapieschulen,
- orientiert an psychischen Störungen,
- andere Konzeptionen.

Vorbemerkung:
Das Psychotherapeutengesetz hat 1999 die Voraussetzungen für die Berufe des Psy-chologischen Psychotherapeuten und des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten geschaffen. Die Ausbildung in Gruppenpsychotherapie ist indirekt insofern vorgesehen, als die Vereinbarungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung mit den Verbänden der Gesetzlichen Krankenkassen, die die rechtliche Grundlage für die Behandlung gesetzlich Krankenversicherter regeln, Nachweise über eine
"entsprechende Zusatzqualifikation (in Gruppenpsychotherapie)….an oder über anerkannte Ausbildungsstätten gem. § 6 Psychotherapeutengesetz (dieser beschreibt die Anerkennungs-voraussetzungen für staatlich anerkannte Ausbildungsstätten) erworben werden" (müssen).
Mit dieser Formulierung der Vereinbarungen ist die Ausbildung in der Gruppenpsychotherapie an das Psychotherapeutengesetz gebunden, für deren sozialrechtliche Durchführung die RICHTLINIEN der KBV gelten.
Die Gruppenpsychotherapie orientiert sich, soweit sie als Leistung der Gesetzlichen Krankenkassen anerkannt ist, an den auch für die Einzelpsychotherapie gültigen Behandlungs- und Anwendungsformen, nämlich den psychoanalytisch begründeten Psychotherapieverfahren einerseits und der Verhaltenstherapie andererseits. Weitere Verfahren bestehen auf der Basis der Humanistischen Psychologie (u. a. Psychodrama nach J. L. Moreno) und auf der Basis der Transpersonalen Psychologie. Allgemeine Definitionen darüber, was Psychotherapie ist, gibt es bei Wikipedia:

Psychotherapie ist die, auf wissenschaftlichem Wege gefundene, besondere Form einer kontrollierten menschlichen Beziehung, in der der Therapeut die jeweils spezifischen Bedingungen bereitstellt, um Veränderungen zu ermöglichen in Richtung Verminderung von seelischem/körperlichem Leiden. Eine gleichzeitige persönliche Weiterentwicklung kann damit auch verbunden sein. Durch die jeweils besondere Beziehungsgestaltung und die ausgewählten Anregungen des Psychotherapeuten, die Methoden genannt werden, erfährt der Patient auf unter-schiedlichen Ebenen die verursachenden Zusammenhänge für sein Leiden. Gleichzeitig gewinnt er dadurch Zugänge, wie er besser mit sich und seinen Problemen umgehen kann, um ein Mehr an geistig und körperlichem Wohlbefinden zu erreichen. Entscheidend für die Wirkung der Psychotherapie ist, neben der Auswahl der angemessenen Methoden, die Qualität der therapeutischen Beziehung. Diese Qualität hat über alle Psychotherapieschulen hinweg sehr ähnliche Kriterien, wie: positive Wertschätzung, Einfühlung, Authentizität, soziale Kompetenz, Ehrlichkeit, Offenheit, Direktheit. Somit ist wirksame Psychotherapie bei all den unterschiedlichen Thera-pieschulen im Kern doch etwas sehr Ähnliches.

Insbesondere die psychoanalytisch begründeten Psychotherapieverfahren orientieren sich an der bewährten Trias des Erwerbs von

- Theorie,
- der Gruppenselbsterfahrung und
- der Behandlerpraxis unter Supervision.

Erst diese methodische enge Verbindung, nämlich die von Gruppenselbsterfahrung mit der Tätigkeit als Gruppentherapeut unter Supervision garantiert verlässlich eine qualitätsgesicherte Ausbildung.
In den humanistischen Verfahren - wie dem Psychodrama - wird dies durch eine eigene Didaktik in der Vermittlung der Interventionstechniken gewährleistet.

Auch wenn die bewährte Trias von Theorie - Erwerb, Gruppenselbsterfahrung und Behandlerpraxis unter Supervision, die seit Anfang der psychoanalytisch begründeten Psychotherapieverfahren - zu Beginn des vorigen Jahrhunderts - gilt, weiterhin ein gültiges Erfordernis ist, können angesichts der veränderten Bedingungen Grundlagen der Theorie der Gruppenpsychotherapie in einen Masterstudiengang Klinische Psychologie bzw. Psychotherapiewissenschaft eingebracht werden.
Wir meinen, dass der Masterstudiengang übrigens auch für den Beruf des Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten die Eingangsvoraussetzung sein sollte.
Denn dann könnten schon im Studium Kenntnisse vermittelt werden, die insbesondere später die Differentialindikation für das zu wählende Verfahren ermöglichen. Der Theorie - Erwerb an dieser Stelle wäre damit eine wichtige Grundlage für die eigentliche klinische Ausbildung, eine Vertiefung des Theorie-Erwerbs erfolgt in der Phase der Behandlertätigkeit. Diese schafft erst die Voraussetzungen, um die erworbene Theorie auch praktisch anwenden zu können.
Aus Sicht des DAGG und der in ihm vertretenen Fachgruppen erscheint es wichtig, dass, ebenso wie in der Einzelpsychotherapie, ein auszubildender Gruppenpsychotherapeut vom Wert des Erlernten und angewandten Verfahrens überzeugt sein muss. Erst die erfolgreich abgeschlossene Fundierung in einem Verfahren schafft die notwendige Qualifizierung und Sicherheit in der Behandlungstechnik und eine grundlegende Identität der Profession. Diese Anforderung stellt frei, dass jeder, der interessiert und begabt ist, seine jeweilige Qualifizierung erweitern und spezifizieren kann und je nach Ort der Tätigkeit auch erweitern muss. Andererseits wäre ein bloß an einer Störungsspezifität ausgebildeter Gruppenpsychotherapeut ein Schmalspurpsychotherapeut und ohne klinisches Gewicht.
Deswegen erscheint eine primär an einzelnen Störungen ausgerichtete Psychotherapie- Ausbildung in der Gruppenpsychotherapie nicht sachgerecht, sie würde im übrigen Probleme der bekannten Aufteilung des Menschen in der somatischen Medizin wiederholen. Diese Aufteilung ist dort historisch begründet, weil die einzelnen Wissensgebiete wegen ihres Umfangs sich auseinander entwickelt haben und auch, weil die Aufteilung abrechnungstechnisch begründet wird. Aber diese in der Medizin erfolgte Aufteilung in Fachgebiete z. B. nach Alter (Erwachsene vs. Kinder), nach Ort oder Organ der Erkrankung (Innere, Haut, Sinnesorgane usw.) oder nach Art der Therapie in konservative, chirurgische bzw. Strahlentherapie kann eine nur störungsspezifisch ausgerichtete Qualifikation fördern, die dann Gefahr läuft, Zusammenhänge zu übersehen und zu vernachlässigen. Dieser Entwicklung kann nur durch fachübergreifende Forschung und Behandlungstrategien begegnet werden kann.
Aus dem Gesagten ergibt sich nach unserer Ansicht die Notwendigkeit, dass eine qualifizierte Ausbildung in der Gruppenpsychotherapie sich hinsichtlich therapeutischer Fähigkeiten und Fertigkeiten primär an einem Verfahren orientieren, aber Kenntnisse auch über andere Verfahren vermitteln sollte.
Insbesondere gilt, dass die eigentliche Qualifikation primär im klinischen Bereich erfolgen und die Ausbildung von in der Gruppenpsychotherapie erfahrenen Behandlern geleitet werden muss, die selbst mit Patienten unter "Alltagsbedingungen" arbeiten. Nur dann kann eine ausreichende Validierung für die spätere Tätigkeit der Auszubildenden erreicht werden. Dies ist bei an der Universität Lehrenden in der Regel nicht gegeben, da diese hier in erster Linie in der Forschung qualifiziert sind.

Dr. med. Kurt Höhfeld