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Unter dem Motto "Metamorphosen der Gruppe - eine Herausforderung
für die Zukunft" fand am 1. Dezember die Feier zum 40jährigen
Bestehen des DAGG im Harnackhaus in Berlin statt. Eine wissenschaftliche
Tagung leitete die Feierlichkeiten ein.
Als Gruppenfachleuten stand es uns gut an, zu diesem Jubiläum
einen kritischen Blick auf den Gegenstand unserer Arbeit - die Gruppe
- zu richten.
Gruppe ist als Thema in der sozialpsychologischen und soziologischen
Auseinandersetzung in Deutschland nicht aktuell, auf der anderen
Seite ist das erforschte Wissen von Gruppenphänomenen in Alltagswissen
übergegangen und vereinfachte Konzepte z.B. von der Entwicklung
von Teams und Gruppen - vorzugsweise in Phasen dargestellt - sind
Standard in jeder pädagogischen Ausbildung.
Müssen wir uns mit dieser Nichtbeachtung im theoretischen Diskurs
zufrieden geben?
Oder gibt es doch die Notwendigkeit, Gruppe als Kategorie sozialwissenschaftlicher
Diskurse wiederzubeleben?
In einer kritischen Bestandsaufnahme wurden drei Facetten in der
Entwicklung des Gegenstands Gruppe betrachtet.
Zunächst ging der Blick auf die soziologische und sozialpsychologische
Begrifflichkeit. Prof. Dr. Stefan Kühl, Soziologe, Universität
Bielefeld, hat unter dem Thema: "Die Grenzen der Gruppe
und die Möglichkeiten ihrer Überwindung" zu dieser
Frage Stellung bezogen. Nachdem Gruppenprozesse in der experimentellen,
laboratoriumsorientierten Gruppenforschung der 50ger Jahre einen
Schwerpunkt hatten und die Gruppe als Vermittlung zwischen Individuum
und Gesellschaft als bedeutsam angesehen wurde, erfolgte durch die
Systemtheorie Luhmanns ein vollständiger Verzicht auf die Kategorie
Gruppe, die durch eine Theorie der Interaktionssysteme und die Beschreibung
der Kommunikation der Akteure ersetzt wurde. Kühl versuchte
in seinem Beitrag die Kategorien Gruppe, Organisation und Interaktion
zu unterscheiden und die jeweilige Reichweite zu definieren.
Mehr auf die Anwendung von Gruppenwissen bezogen sich die beiden
nächsten Vorträge, die den Wandel des Gruppenansatzes
in der Praxis beschrieben.
Cornelia Edding, Trainerin für Gruppendynamik (DAGG) und Beraterin
für Organisationsentwicklung, untersuchte die Brauchbarkeit
des Gruppenkonzepts in der veränderten Arbeitswelt und förderte
dabei aktuelle Gruppenforschungsergebnisse aus den Vereinigten Statten
zutage, die - anders als in der deutschen wissenschaftlichen Szene
- das Gruppenkonzept durchaus beforschen.
Ulrich Schultz-Venrath, Analytiker, Chefarzt der Klinik für
Psychiatrie, Psychotherapie u. Psychosomatik am Evangelischen Krankenhaus
Bergisch-Gladbach, trug dann über die Entwicklung des analytischen
Gruppenansatzes von der Gruppentherapie zur Supervision vor.
Die Vorträge wurden am Nachmittag in einer Fishbowl-Diskussion
"Was bedeuten die Ergebnisse des Vormittags für die Zukunft
des DAGG in Bezug auf Theorieentwicklung, Methodik und Praxeologie"?
vom Publikum kommentiert. Dabei wurde auch deutlich, dass die verschiedenen
professionellen Sichtweisen und methodischen Ausrichtungen zum Thema,
weit auseinander liegen und der theoretische Diskurs im DAGG an
den Sektionsgrenzen zu enden scheint.
Ebenfalls am Nachmittag stellte Volker Tschuschke und Tamara Anbeh
von der Universität Köln die Ergebnisse des PAGE-Projekts,
in dem sieben Jahre lang die Effektivität von Therapiegruppen
untersucht worden ist, vor und damit zugleich die gerade mit Unterstützung
von Spendengeldern des DAGG und seiner Mitglieder erschienene Veröffentlichung
"Ambulante Gruppenpsychotherapie" (Schattauer).
Damit endete der wissenschaftliche Teil des Jubiläums und
der Festakt begann.
Hella Gephart, Bonn

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